Anbindungen im Einzelnen CRM- und ERP-Schnittstellen
„Wir haben eine offene API" beantwortet die Frage nicht
An zwei Tagen im September haben wir vierzehn Softwarehäuser geprüft – Pflege, Kanzlei, Spedition, Personal, Immobilien. Nicht gegen Werbetexte, sondern gegen die Schnittstellenbeschreibungen der Hersteller.
Zwei davon können, was wir brauchen. Das klingt nach einer Bilanz über die Branche. Es ist aber vor allem eine über eine Frage, die fast alle falsch stellen.
Die Frage, die zählt
Ob ein System eine Schnittstelle hat, ist für uns die zweitwichtigste Auskunft. Die wichtigste lautet:
Kann man es nach einer Rufnummer fragen?
Der Unterschied klingt spitzfindig und ist es nicht. Er entscheidet darüber, ob beim Klingeln ein Name auf dem Bildschirm steht oder nicht.
Drei Arten, auf die es scheitert
Nach vierzehn Häusern ist es kein Zufall mehr, sondern ein Muster. Wo es nicht geht, geht es immer auf eine von drei Arten nicht.
Erstens: Die Schnittstelle ist auf etwas anderes gebaut
Speditionssoftware beantwortet „Wo ist die Sendung?", „Was kostet die Fracht?", „Welcher Slot ist frei?". Adressen kommen darin nicht vor – nicht weil jemand sie vergessen hätte, sondern weil eine Sendungs-API keine Adressdatenbank ist.
Dasselbe bei Versandplattformen: Die Rufnummer des Empfängers steht im Datensatz, denn der Zusteller braucht sie. Gefiltert wird die Sendungsliste trotzdem nur nach Zeitraum, Status und Paketnummer.
Zweitens: Der Bestand ist da, nur nicht abfragbar
Das ist die gefährlichste der drei. Sie sieht wie ein Treffer aus: Dokumentation vorhanden, Rufnummernfelder vorhanden, alles grün. Erst der Blick in die Filterliste zeigt, dass man nicht fragen kann.
- Eine bekannte Buchhaltungssoftware filtert Kontakte nach Name, E-Mail und Kundennummer. Die Telefonnummer steht in jeder Antwort – als Filter gibt es sie nicht.
- Eine verbreitete Personalsoftware kennt am Mitarbeiter-Endpunkt genau fünf Parameter. Keiner davon ist eine Rufnummer.
- Eine zweite Personalsoftware kennt sieben. Auch keiner.
Wer an dieser Stelle rät, baut eine Anbindung, die keinen Fehler meldet und nichts findet.
Drittens: Die Branche hat einen Standard – und der ist kein Web-Dienst
In der Arztpraxis heißt er GDT, beim Versicherungsmakler BiPRO und GDV. Wer „die Branche hat Standards" hört, denkt an offene Türen. Gemeint sind Datenlieferungen in eine Richtung – ein Format, kein Dienst, den man befragen kann.
Der Fall, der uns am meisten geärgert hat
Zwei große Warenwirtschaften desselben Herstellers können filtern – aber ihre Dokumentation sagt ausdrücklich, dass sich ein ODER nicht über zwei verschiedene Felder legen lässt.
Eine Nummernsuche kann dort also entweder die Festnetznummer abfragen oder die Mobilnummer. Nie beide. Technisch tadellos, praktisch wertlos – und das Scheitern meldet sich nicht, es sagt schlicht „Kontakt nicht gefunden".
Was ein Hersteller ändern müsste
Fast immer: einen Parameter. Nicht ein Projekt, nicht eine Architektur, nicht eine Migration. Einen zusätzlichen Filter auf dem Endpunkt, den es längst gibt.
Bei einem Buchungssystem für Sportclubs haben wir es nachgerechnet: Der Mitglieder-Endpunkt liefert die Nummer bereits, es fehlt allein die Möglichkeit, nach ihr zu filtern. Eine Zeile Dokumentation, ein Datenbankindex.
Warum wir trotzdem nicht schlecht über die Branche reden
Wer seine Software an Pflegedienste, Kanzleien und Hausverwaltungen verkauft, hat keine Entwickler als Kunden. Eine öffentliche Schnittstelle kostet Pflege und bringt diesem Geschäftsmodell zunächst nichts. Das ist keine Nachlässigkeit, das ist eine Rechnung.
Genau deshalb ist unser Angebot dort interessant: Wir sind die Entwickler, die diese Häuser nicht haben. Sie brauchen uns nur zu sagen, wie man ihre Software nach einer Rufnummer fragt – den Rest bauen wir.
Und wenn die Antwort Nein lautet, ist auch das eine Auskunft. Ein Nein streicht einen Hersteller von der Liste, statt ihn dort als offenen Punkt liegen zu lassen. Das ist mehr wert als ein Vielleicht.
Häufige Fragen
Warum reicht eine offene API nicht aus?
Weil eine Schnittstelle für einen bestimmten Zweck gebaut wird. Buchhaltungs-APIs liefern Rechnungen, Speditions-APIs Sendungen, Personal-APIs Stammdaten. Die Frage „wem gehört diese Rufnummer?" kommt in keinem dieser Weltbilder vor – auch wenn die Nummer im Datensatz steht.
Woran erkenne ich, ob mein System es kann?
An der Filterliste des Kontakt-Endpunkts, nicht an der Feldliste der Antwort. Steht dort ein Parameter für die Telefonnummer, geht es. Steht dort nur Name, E-Mail und Kundennummer, geht es nicht – gleichgültig, wie vollständig die Antwort ist.
Was ist der häufigste Irrtum?
Die Rufnummer in der Antwort für einen Beweis zu halten. Sie ist keiner. Ausgeben und Suchen sind zwei verschiedene Fähigkeiten, und die meisten Systeme haben nur die erste.
Und wenn keine Suche möglich ist?
Dann bleibt ein nächtlicher Abzug – eine Kopie des Kundenstamms bei uns. Das ist der Ausweg, nicht der Weg: Die Auskunft ist so frisch wie der letzte Lauf, und fremde Personendaten liegen an einer Stelle mehr.